Musikalische Zusammenarbeit: Haltung, Anspruch und Arbeitsweise

24.03.2014: „Sitze in der Bahn und habe mir noch mal mein Manifest zur musikalischen Zusammenarbeit durchgelesen. Ab und zu muss das auch mal sein, um mich mit mir selbst auf Linie zu bringen 😉“


Das Manifest

Im Prinzip suche ich eine Band mit eigenen Songs, bin aber auch weiterhin offen für Coverbands. Allerdings nicht in erster Linie, um damit Geld zu verdienen.

Hier erfahrt ihr die Details und Bedingungen für eine Zusammenarbeit in einer Coverband und „normaler“ Band.

Coverbands

Vorab…
Ich bin kein Mann fürs 1-zu-1, also originalgetreue Covern. Ich bewundere Sänger, die stimmlich wie das Original klingen können. Ich kann es nicht und ich will es auch nicht. Ich singe auf der Bühne, wie mir der Schnabel gewachsen ist, und freue mich, wenn ich dem Original nahekomme. Bei manchen Songs verschwimmen die Grenzen zwischen mir und dem Original, das ist ein schöner Nebeneffekt, aber nicht mein Ziel.

Mir geht es bei meiner Interpretation darum, als Sänger „authentisch“ bleiben zu können, und das macht mich aus.

Live gebe ich alles und möchte durch meine Energie, die sich stimmlich und durch Bewegungsdrang äußert, mitreißen. Ich bin allerdings kein guter Pausenclown oder Witzeerzähler. Auch Aufforderungen wie „Klatscht doch mal alle mit“ oder „Kommt doch mal näher“ kommen eher selten über meine Lippen.

Ich möchte auch bei einem Coverkonzert das Gefühl vermitteln und haben, auf einem „Rock-Konzert“ zu sein und nicht vor einer Jukebox zu stehen.

Songauswahl

Prinzipiell lehne ich fast nichts ab (Ausnahmen bestätigen die Regel), wenn die Mehrheit der Band für den Song ist. Bei den meisten Songs entwickelt sich eh der Spaß beim Spielen. Ich bin auch nicht der Typ, der Songs, die nicht auf Anhieb funktionieren (zu schwierig), streicht. Meist dauert es ein bisschen und dann stellen sich diese Songs plötzlich als die Highlights raus.

Die Songauswahl sollte allerdings eine Mischung aus Gassenhauern und anspruchsvolleren Stücken sein, die eine Herausforderung für Band und Publikum darstellen. Argumente wie: „Man muss spielen, was dem Publikum gefällt“, lasse ich für eine Tanzband gelten und für eine Band, die nur gefallen möchte, aber nicht als Hauptargument für „meine“ Coverband. Mit einer Top-40-Band werde ich nicht glücklich.

Zeitmanagement, Spaß, Respekt und „Knochenjobs“.

Als „Knochenjobs“ bezeichne ich dreistündige Kneipenauftritte. Die mache ich zwar gerne mal partiell in „Lieblingskneipen“ oder als Testauftritt, aber nicht mehr überwiegend. Solche Auftritte gehen, dauernd betrieben, in vielerlei Hinsicht an die Substanz. Daher „Klasse“ statt „Masse“.

Bei der Bezahlung, den Gagen, geht es mir nicht um den Verdienst, sondern die Gage ist mit ein Ausdruck für Respekt und Anerkennung, die ich vom Veranstalter für meine Arbeit erwarte.

Der Respekt und die Anerkennung können sich auch auf andere Weise ausdrücken, nur sollte es für beide Seiten zu einer unmittelbaren WIN/WIN-Situation kommen. Spielen um des Spielens willen ist, bei Covermusik, für mich kein Hauptantrieb.

Ich bin auch für Benefizkonzerte zu haben, wenn sie einem sozialen Zweck dienen und alle Beteiligten zugunsten der „guten Sache“ verzichten.

Spielen auf politischen Veranstaltungen. Sollte eine politische Partei nicht meiner eigenen politischen Meinung entsprechen, spiele ich auf geschlossenen Veranstaltungen, auf einer öffentlichen Wahlkundgebung allerdings nicht!

Ich bin auch innerhalb der Band bereit, die Gage in die Musik zu reinvestieren. Eine Band, wo man sich nur noch zu einem Konzert trifft und am Ende die Kohle in Empfang nimmt, ist auf Dauer nichts für mich.

Ich will vor allem eines: SPASS haben.

Was jetzt, wie immer, alles und nichts bedeuten kann.

Am meisten Spaß habe ich live auf großen Bühnen (viel Auslauf für meinen Bewegungsdrang), mit super Anlage und vollem Saal. Also wie bei einem Rock-Konzert. Wer nicht? Ich freue mich über Kommunikation auf der Bühne zwischen Band und Band und Band und Publikum, damit meine ich kein künstliches Gekasper, sondern ehrliche Kommunikation, jeder nach seinen Möglichkeiten.

Im Proberaum habe ich Spaß, wenn jeder seinen Ablauf kennt. Der Vorteil beim Covern ist, dass der Ablauf grundsätzlich klar ist. Es muss nicht perfekt sein oder jeder Ton stimmen, auch ich mache meine Fehler und habe Macken (Angst vor Texthängern).

Aber grundsätzlich unvorbereitet zu Proben zu erscheinen und dann in der Probe den Song rauszuhören, sodass die anderen warten müssen, nervt. Macht keinen Spaß.

Offene Kommunikation.

Ist nicht so einfach, ich weiß. Auch ich schlucke vieles erst mal runter und warte darauf, dass irgendwann mal meine Bedürfnisse berücksichtigt werden oder nervende Dinge vom anderen erkannt und derjenige sie von selber abstellt. Gerade in einer neuen Band wollte ich nicht als Querulant oder Bremser gelten. In der Kommunikation kann ich durchaus direkt sein, allerdings richtet es sich nie gegen das Gegenüber als solches, denn mit Menschen, die ich nicht leiden kann, mache ich keine Musik. Wenn ich Dinge ausspreche, erwarte ich, dass sie nicht einfach durch eine Mehrheit übergangen werden. Also wer einen Sänger sucht, der nur zum Singen den Mund aufmachen soll, sollte mich nicht in seine Band holen. Ich bin trotzdem durchaus in vielen Dingen flexibel und kompromissbereit. Übergangsweise nehme ich einiges in Kauf, erwarte aber auf Dauer „Entgegenkommen“ und bocke bei offensichtlicher „Ausnutzung“.

Zeitliche Flexibilität

Bisher würde ich mich als zeitlich recht flexibel bezeichnen. In der Vergangenheit habe ich meine Arbeitszeiten und Urlaube nach meinen Musikterminen ausgerichtet und diese meist recht spät festgelegt, um möglichst flexibel reagieren zu können. Ich weiß, dass nicht jeder seine Freizeit so ausrichten kann, allerdings sind Termine von Lieblingsfußballvereinen für mich nicht vergleichbar mit dem Geburtstag der Mutter.

Eigene Songs, eigene Band

„Der Markt ist tot. Wir werden keine DSDS-Sieger. Wir wollen Lieder schreiben, fertigstellen, uns dadurch erfüllt und selbstverwirklicht fühlen, plus: „Ein fettes, unbekanntes X“.“ (Danke an Nils Lintzen für die Vorlage)

Covern alleine macht nicht glücklich

Bis zur Auflösung meiner Band „Cryptic Flowers“ 1994 habe ich reine Coverbands abgelehnt. Das waren alle Coverhuren. Partiell habe ich in der eigenen Band ein Stück gecovert, das wir alle gut fanden, aber das war eher die Ausnahme. Eigene Songs schreiben war Kunst und angesagt.

Durchs Covern habe ich dann gesanglich mit „Cash Payment“ einen riesigen Sprung nach vorne gemacht. Die Songs waren „gut“, allgemein anerkannt und der Ablauf klar. Wir konnten uns aufs Umsetzen konzentrieren und den Songs eigenes Leben einhauchen.

Trotz aller Anerkennung als Sänger, Interpret, fehlt mir beim Covern etwas.

Zuweilen gingen mir zwar meine immer ähnlich klingenden Ideen auf den Nerv, aber eigene Songs sind mit mir, von mir.

Ich bestehe nicht auf eigene Ideen und nehme auch gerne Ideen von den Songwritern der Band an, allerdings möchte ich nicht in der eigenen Band ausschließlich die Ideen anderer „covern“ müssen. Wer so jemanden sucht, kann mich gerne in sein Projekt holen, aber nicht in seine Band.

Unterschiedliche Arbeitsweisen

Songwriting kann man unterschiedlich betreiben. Im Zeitalter des Computers und schneller Internetverbindungen sogar von zu Hause aus. Wer es kann, programmiert den kompletten Song. Bei Bands, bei denen die Musiker weiter auseinander wohnen, ist so ein Arbeiten nicht anders möglich, birgt aber Gefahren.

Bei einer größeren Distanz ist es schwierig, ein Bandgefühl aufzubauen, daher bieten sich Distanzen größer als 50 km nur für Projekte an.

Komplett ausgearbeitete Songs lassen weniger Raum für Ideen der anderen. Wenn die Band damit klarkommt, OK. Wenn nicht, muss der Autor flexibel reagieren und Veränderungen an seiner Idee zulassen.

Kreativdiktatoren sollten sich besser bezahlte Musiker suchen.

Aus Zeitgründen arbeite ich zum Finden von eigenen Ideen meist zu Hause und nehme auf, was mir spontan zu einer Songidee einfällt.

Ich kann weder Noten, noch habe ich theoretische Ahnung von Harmonielehre.

Ich habe nur meine Inspiration, die sich aus meinen musikalischen Vorlieben speist. Daher ist es eine spontane Assoziation, die meist zu meiner Idee führt.

Problematisch wird es mit der Lautstärke. Die Gesangsidee fällt meist nicht so aggressiv wie im Proberaum aus.

Im Proberaum läuft es nicht anders. Die Band spielt und ich antworte. Hat jemand eine Gesangsidee vorgegeben, versuche ich, diese zu interpretieren. Auch dies tue ich auf meine Art, sprich ich adaptiere die Idee, sodass sie zu mir passt.

Text. Wen die Muse küsst.

Texte kann ich nicht produzieren, sie entwickeln sich. Meist habe ich eine Idee auf Deutsch, die ich dann aufs Englische „runterbreche“.

Ich achte beim Texten nicht auf das Reimen. Da ich Texte nicht am laufenden Band produzieren kann, habe ich keine Probleme mit Fremdtexten.

Profil mit Freiheit

Die Band sollte ein Profil haben oder gemeinsam entwickeln, das sie dann nach außen trägt. Ich weiß, wir wollen alle nicht in Schubladen passen, müssen aber dem Kind einen Namen geben. Keine Angst, ich möchte mich und andere nicht musikalisch einschränken. Wer Lust hat, mit mir Indie, Elektro mit Hard-Rock und Progelementen zu mischen, soll das tun, aber dann auch ordentlich und stimmig verpacken (Fotos, Name, Homepage).

Am Anfang die Kontrolle behalten

Z. B. für die erste kleine Demoproduktion muss man nicht direkt ins Studio, wenn man es selber machen kann.

Da, wo es allerdings sinnvoll ist, wird die Arbeit in professionelle Hände gegeben.

Synergie und Arbeitsteilung

Es gibt viele tolle Bands, die nie über den Proberaumstatus kommen, weil sich keiner innerhalb der Band für die „Vermarktung“ interessiert oder die darauf warten, dass jemand diese Arbeit für sie übernimmt.

Oder es gibt den EINEN in der Band, der neben seinem Instrument auch noch das komplette Management machen muss.

Auch hier sollte jeder nach seinen Fähigkeiten die Band außerhalb des Proberaums unterstützen.

Musikrichtungen

Ich merke, dass ich musikalisch in den 70ern und 80er-Jahren zu Hause bin. Der frühe New Wave und der bluesige Hard Rock der 70er haben es mir angetan. Dem 80er-Metal fühle ich mich mittlerweile weniger verbunden. Auch manche Progrockbands, z. B. King Crimson, finde ich interessant.

Womit ich nichts anfangen kann, ist Thrash Metal, Country, stumpfer Techno und Schlager.

Bei meinen Songideen hört man deutlich meine musikalische Herkunft heraus. Es klingt meist nicht besonders modern.

Ich schreibe das nicht, weil ich selbst immer alles richtig mache. Im Gegenteil: Auch ich verletze diese Maßstäbe. Aber genau deshalb ist es mir wichtig, sie auszusprechen — als Erinnerung an mich selbst und als Grundlage für eine Zusammenarbeit, die ehrlich bleiben darf.